Archiv | Mai 2017

Unkraut-Torte mit Baiserhaube

Was für ein Wort „Un-Kraut“, immer muss ich über den Sinn dieser Bezeichnung nachdenken. Wie wechseln doch die Ansichten und Überzeugungen, was  wird wohl gebraucht und ist wertvoll, oder was ist schädlich für uns und unseren Lebensraum. Vor allem wenn ich den Japanischen Staudenknöterich  (Fallopia japonica) beobachte und später ernte, um aus ihm meinen liebsten Frühlingskuchen zu backen. Neophyt, invasiv, alles überwuchernd, was für Namen für ein sehr kraftvolles Kraut. Nun bin ich ebenso verwundert, dass es eine „Plagepflanze“ zu sein hat, aber bitte nur in Europa und Nordamerika.

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Sicher ist er mit dem Menschen in unsere Breitengrade verbracht worden, oder? Der Böse!!! Dazu steht bei Wikipedia: Diese Pflanzenart wurde um 1825 von Philipp Franz von Siebold als Zier- und Viehfutterpflanze nach Europa gebracht und ebenfalls im 19. Jahrhundert in den USA eingeführt.

Was ist mit den Futterpflanzen, Zierpflanzen oder Obst und Gemüse die man eingeführt hat, woher auch immer? Büchsen sie auch irgendwann aus? Wir müssen wachsam sein, wann Kiwi und Co anfangen gegen uns Pläne des Ausbreitens zu schmieden. Spaß beiseite, aber wir Menschen sorgen dafür wie sich unsere Erde zum „Guten“ und/oder zum „Schlechten“ entwickelt und bis heute sind es nicht Pflanzen die die Welt bedrohten.

Deshalb hier eine Ode des guten Geschmacks an den Staudenknöterich. Wie verblüfft war ich, als ich im Tessin bei Meret Bissegger einen sehr leckeren Kuchen mit dieser Zutat, verwendet als Stiel-Gemüse, gegessen habe.

Da ich die Welt nicht neu erfinden kann, weil irgendwo auf der Welt fast alles schon ausprobiert, erfunden und aufgeschrieben wurde, habe ich diesen Kuchen nach meiner Art verwandelt.

Nun hier das Rezept:

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Boden/ Springform

1 Ei

80 g Mehl

80 g Zucker

80 g Butter

1 TL Backpulver

aus diesen Zutaten einen Teig kneten und in einer Springform ausrollen

Knöterich:

Stiele noch ganz jung ernten, wie Rhabarber schälen, in Ringe schneiden und beiseite stellen

Quarkmasse:

500 g Quark

3 Eier / Eiweiß trennen

100 ml Öl

200 g Schmand

150 g Zucker

1 Pä. Vanillepuddingpulver

2 Eßl Grieß

1 Vanilleschote/ Mark

Prise Salz

Alle Zutaten miteinander verrühren, die Eiweiß zurück behalten. Die Hälfte der Masse auf dem Boden verteilen, die Knöterichringe gleichmäßig aufbringen, danach den Rest der Quarkmasse darüber streichen.

Bei 160 Grad 45 Minuten backen.

Baiser- Haube:

3 Eiweiß schaumig rühren, während des Rührens mit dem Mixer 100 g Zucker und 60 ml Rhabarbersaft zufügen, es entsteht ein fluffiger Schaum.

Nach 45 Minuten Backzeit des Kuchens, diesen aus dem Ofen nehmen und den Eiweiß-Schaum auf dem Quark verteilen, danach weitere 15 Minuten fertig backen, bis die Haube rehbraun ist.

Noch heiß aus dem Ofen nehmen und dünn mit Kristallzucker bestreuen, daraus bilden sich beim Abkühlen kleine Zuckerperlen, außerdem bleibt die Oberfläche feucht und lässt sich somit besser schneiten.

  ( PS. hier hab ich den Zucker vergessen, deshalb zerbricht die Haube beim Schneiden)

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Bitte keine Feinde!

Ehre auch diesem pflanzlichen Lebewesen, es sorgt mit Photosynthese für gutes Klima, für wunderbares Grün, viel Blattmasse und kann eine gute Lebensmittelgrundlage sein. Da der Japanische Staudenknöterich sich nicht ausrotten lässt, könnte man nachdenken ihn öfter zu verwenden, er braucht bestimmt keine Düngemittel und auch keine Pestizide.
Dieser Knöterich hat so viel Kraft und Schönheit, ich kann nur auffordern ihn ganz bewusst anzuschauen, auch als florales Element in einer Vase oder als Essgeschirr in Form kleiner Schiffchen, herausgeschnitten zwischen zwei Knoten, ist er eine Augenweide.

Dieser Eintrag wurde am Mai 10, 2017 veröffentlicht.